Healthcare and Medicine Reference
In-Depth Information
Prognosestudien
15.2
15.2.1 Einleitende Bemerkungen
Viele akute Krankheiten haben, vor allem wenn sie gut therapierbar sind, einen zeitlich
begrenzten Verlauf. Chronische Krankheiten können hingegen das Leben eines Pa-
tienten nachhaltig beeinflussen (insbesondere wenn sie mit einer hohen Mortalität
oder einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität einhergehen). In diesen Fällen
ist es für den Patienten wichtig, Informationen bezüglich seiner Prognose zu erhalten.
Der Begriff klinischer Verlauf bezeichnet die Prognose, wenn eine adäquate Behand-
lung erfolgt. Dagegen versteht man unter dem natürlichen Verlauf die Prognose ohne
medizinische Intervention.
Prognosestudien werden in Angriff genommen, um einerseits eine Prognose über
eine geeignete Maßzahl quantifizieren zu können und andererseits, um Prognosefak-
toren zu finden, die den Verlauf einer Krankheit beeinflussen. Bei Kenntnis wichtiger
Prognosefaktoren ist es eventuell möglich, Vorhersagen im Einzelfall zu treffen. Übli-
cherweise führt man derlei Studien als Kohortenstudien durch. Dabei wird eine
Gruppe von Personen, die an einer bestimmten Krankheit leiden, prospektiv beobach-
tet, und zwar solange, bis ein definiertes Endereignis eintritt. Dies kann der Tod des
Patienten sein; es kann sich jedoch auch um ein anderes, für den Patienten wichtiges
Ereignis handeln. Bei Studien in der Onkologie wird beispielsweise häufig die Zeit bis
zum Auftreten eines Rezidivs oder bis zum Eintreten einer Remission analysiert. Hin
und wieder werden auch kombinierte Endpunkte untersucht (z. B. Auftreten eines
Rezidivs oder Tod). Der Startzeitpunkt, ab dem ein Patient beobachtet wird, muss
ebenfalls klar definiert sein (etwa der Zeitpunkt der Diagnose oder des Behandlungs-
beginns).
15.2.2 Beschreibung einer Prognose
Häufig wird die Prognose mittels einer Rate ausgedrückt, wie etwa der 5-Jahres-Über-
lebensrate , der Letalität, der Mortalität, der Remissions- oder der Rezidivrate. Eine
andere Form der Darstellung ist die mediane Überlebenszeit . Diese gibt die Zeitspan-
ne an, die die Hälfte der Kohorte überlebt. Sie hat den Vorteil, dass sie sich - im Ge-
gensatz zur mittleren Überlebenszeit - bereits dann berechnen lässt, nachdem die
Hälfte der Studienteilnehmer verstorben ist.
All diese Maßzahlen sind einprägsam, aber wenig informativ. So ist beispielsweise
aus der 5-Jahres-Überlebensrate nicht ersichtlich, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist,
eine andere Zeitspanne zu überleben. Detaillierte Analysemethoden werden in den
folgenden Abschnitten vorgestellt.
 
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