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Gruppe, werden wie vorgesehen therapiert und stehen bis zur letzten Untersuchung
zur Verfügung.
Die Realität sieht jedoch häufig anders aus. Es ist keineswegs sichergestellt, dass
sich die Studie mit den anfangs erstellten, strukturgleichen Gruppen protokollgemäß
zu Ende führen lässt. So kann es passieren, dass Patienten vorzeitig ausscheiden ( Drop
Outs ). Dies ist nicht allzu problematisch, wenn deren Anzahl gering ist und der Grund
dafür in keinem Zusammenhang mit dem interessierenden Endereignis steht.
Ein weit größeres Problem ergibt sich, wenn Patienten ausscheiden oder die The-
rapiegruppe wechseln aus Gründen, die mit der anfangs zugeteilten Therapie assozi-
iert sind: Wegen vermeintlicher Wirkungslosigkeit, unangenehmer Nebenwirkungen
oder auf Anraten ihres Arztes. Mehrere Analysemethoden wurden entwickelt, um
diese Protokollverletzungen zu handhaben:
4 Intention to Treat (ITT): Bei diesem Verfahren werden alle Patienten in die
Analyse einbezogen, und zwar in der Gruppe, zu der sie anfangs randomisiert
worden sind. Dies setzt voraus, dass auch die Studienabbrecher wenigstens zur
Enduntersuchung erscheinen.
4 As Treated (AT): Dieser Ansatz wertet die Patienten danach aus, welche Therapie
sie - eventuell nach einem Wechsel - zuletzt erhalten haben. Studienabbrecher
werden dabei nicht berücksichtigt.
4 Per Protocol (PP): Dieses Prinzip verlangt, alle nicht protokollgemäß behandel-
ten Patienten (also Abbrecher und Wechsler) von der Analyse auszuschließen.
Der Vorteil der ITT-Analyse besteht darin, dass die Strukturgleichheit der Gruppen
bis zum Ende der Studie gewahrt bleibt. Nachteilig ist jedoch, dass Unterschiede zwi-
schen den Therapien verwässert werden. Allerdings ist zu bedenken, dass sich norma-
lerweise nicht alle Patienten an die Therapieempfehlungen halten, was die durch-
schnittliche Wirksamkeit abschwächt. Insofern beschreibt die ITT-Analyse einen Ef-
fekt, der in der Praxis zu erwarten ist. (Im Englischen bezeichnet man dies als »effec-
tiveness of treatment«.)
Mit den AT- und PP-Analysen treten Unterschiede zwischen den Gruppen deut-
licher in Erscheinung. Diese Strategien beschreiben eher die biologische Wirksamkeit
(»clinical efficacy«). Allerdings ist bei diesen Ansätzen die durch die Randomisierung
erzielte Strukturgleichheit am Ende der Studie nicht mehr gegeben. Es kann daher
keineswegs geschlussfolgert werden, dass ein nachgewiesener Unterschied allein durch
die Therapie bedingt ist. Werden jedoch Nebenwirkungen untersucht, sind AT-Studien
generell besser geeignet als ITT-Studien. Das PP-Prinzip eignet sich bei Äquivalenz-
studien und Studien zur Nichtunterlegenheit ( 7 Abschn. 15.1.9 ).
Man sollte versuchen, Protokollverletzungen durch sorgfältige Studienplanung
weitestgehend zu vermeiden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, während der Studie
einen intensiven Kontakt zu den Patienten zu pflegen, um eine gute Compliance zu
erzielen.
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