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screenen lassen, wird durchschnittlich eine profitieren und vom Tod durch Brustkrebs be-
wahrt bleiben. Das RR zeigt, dass dieses Risiko für Frauen ohne Screening etwa 1,24-mal
so hoch ist wie für Frauen in der Screening-Gruppe - allerdings kommt nicht zum Aus-
druck, dass diese Risiken generell sehr gering sind. Gänzlich irreführend ist die RRR : Sie
suggeriert, dass 19% aller Frauen vom Screenen profitieren - in Wirklichkeit beziehen
sich die 19% nur auf die Frauen, die ohne Screening an Brustkrebs sterben würden.
!
Cave
Die NNT (Number Needed to Treat) wird bei Screening-Programmen auch
als NNS (Number Needed to Screen) bezeichnet. Weitere Ausführungen zu
Screening-Untersuchungen findet man in Gigerenzer (2009; 7 Anhang).
14.2.4 Bias***
Bei Studien zu Präventionsmaßnahmen gibt es eine Reihe spezifischer, systematischer Fehler
(Bias):
4
Freiwilligenbias: Dies ist eine besondere Form des Selektionsbias. Er kann auftreten, wenn
man Personen, die sich freiwillig einer Impfung oder Früherkennungsmaßnahme unterzie-
hen, mit einer Gruppe von Personen vergleicht, die dies nicht tun. Die Individuen beider
Gruppen unterscheiden sich möglicherweise - sei es bezüglich ihres Lebensstils oder des
familiären Risikos oder aus anderen Gründen. Verzerrte Ergebnisse wären dabei vorpro-
grammiert. Um diesen Bias zu vermeiden, sollte der Nutzen einer präventiven Maßnahme
im Rahmen einer randomisierten Studie evaluiert werden. Bei diesem Design entscheidet
allein der Zufall, ob ein Teilnehmer an einem Früherkennungsprogramm teilnimmt oder
nicht.
4
Lead Time Bias: Bei Patienten mit nichtheilbaren Tumoren, die sich einem Screening-Test
unterziehen, werden die Tumoren früher entdeckt als bei anderen Patienten. Die Diagnose
wird also vorverlegt. Die Überlebenszeit hat sich aufgrund des Screenings nicht verlängert,
wohl aber die Zeit zwischen Diagnose und Tod. Dies darf aber in keinem Fall als Verlänge-
rung der Lebenszeit interpretiert werden. In Wirklichkeit hat das Screening eher geschadet,
da dadurch ein Teil unbeschwerter Lebenszeit verloren gegangen ist.
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4
Length Time Bias: Durch Screening-Untersuchungen werden vor allem langsam wachsen-
de, wenig aggressive Tumoren mit langer präklinischer Phase und guten Chancen auf Hei-
lung aufgespürt. Aggressive Tumoren mit schlechter Prognose werden dagegen häufig von
den Patienten selbst bemerkt. Dies könnte zu der falschen Schlussfolgerung verleiten, die
besseren Heilungschancen bei den langsam wachsenden Tumoren seien allein dem Scree-
ning zu verdanken.
4
Bias durch Überdiagnose: Dieser ist eine extreme Form des Length Time Bias. Er entsteht
dadurch, dass Erkrankungen bekannt werden, die ohne Screening niemals diagnostiziert
worden wären. Dieser Fall kann eintreten, wenn Karzinome entdeckt werden, die zu Leb-
zeiten des Patienten gar nicht symptomatisch werden würden (weil der Patient vorher an
 
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