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Nettoreproduktionszahl berechnet sich dann nach
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Formel (14.8) als 15 . 0,10 = 1,5.
Aus
Formel (14.9) ergibt sich PI min = 14/15 = 0,933. Das heißt: Mindestens 93,3% einer
Population müssen immun sein, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet.
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14.2.3 Nutzen eines Screenings***
Auch bei sekundären Präventionsmaßnahmen, insbesondere bei Screening-Untersuchungen,
wird weithin die Meinung vertreten, dass sie in keinem Fall schaden können. Die zugrunde lie-
gende Idee ist einleuchtend: Krankheiten sollen bereits in der präklinischen Phase entdeckt wer-
den, ehe der Patient die ersten klinischen Symptome bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt kann eine
therapeutische Intervention eventuell verhindern, dass die Krankheit sich weiter ausbreitet und
in ein Stadium gelangt, in dem eine Heilung nicht mehr möglich ist.
Dies klingt so überzeugend, dass eine genaue Überprüfung der Effizienz eines Screenings über-
flüssig erscheint. Andererseits haben Screening-Untersuchungen offensichtliche Nachteile: Man
denke nur an falsch positive oder falsch negative Befunde und deren Konsequenzen, an die mit
manchen Untersuchungen verbundenen Risiken, Unannehmlichkeiten oder an die Kosten. Aus
diesen Gründen erscheinen Studien geboten, mit denen sich die Validität und die Effizienz eines
Screenings objektiv beurteilen lassen.
Die Validität eines Screenings wird (ebenso wie bei einem diagnostischen Test) durch Sensitivi-
tät und Spezifität beschrieben (
Abschn. 14.1.1). In der Praxis sind jedoch die Vorhersagewerte
interessanter: Sie geben an, inwieweit man sich auf einen Testbefund verlassen kann (
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Abschn.
14.1.2). Dabei ist zu bedenken, dass die Prävalenz der untersuchten Population in der Regel sehr
gering ist. Daher ist der positive Vorhersagewert sehr klein, was wiederum problematisch bei der
Interpretation eines Befundes ist.
Die Effizienz lässt sich beschreiben, indem man die Effektmaße aus
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Abschn. 13.4.2 berechnet.
7 Beispiel 14.5 deutlich macht, ist der Nutzen oft kleiner als vielfach angenommen.
Wie
Beispiel 14.5: Screening
Die Bedeutung der Maßzahlen in
Abschn. 13.4.2 in Zusammenhang mit Screening-Me-
thoden sei an folgendem Beispiel verdeutlicht.
Zugrunde liegen die Ergebnisse von 10 randomisierten Studien, die durchgeführt wur-
den, um zu ermitteln, ob die regelmäßige Teilnahme am Mammografie-Screening das
Risiko verringert, an Brustkrebs zu sterben (Kerlikowske K. Efficacy of screening mammo-
graphy among women aged 40 to 49 years and 50 to 59 years: Comparison of relative
and absolute benefit. J Nat Cancer Inst Monogr. 1997;22:79-86). Insgesamt hatten
500.000 Frauen in Europa und Nordamerika teilgenommen. Das Risiko, innerhalb des Be-
obachtungszeitraums von 10 Jahren an Brustkrebs zu versterben, betrug 3,6/1000 (ohne
Screening) bzw. 2,9/1000 (mit Screening). Daraus ergibt sich: ARR = 0,0007; NNT = 1,429;
RR = 1,24 und RRR = 0,19. Welches dieser Maße eignet sich zur Darstellung des Nutzens?
Wie die ARR verdeutlicht, vermag Screening das Risiko nur minimal zu senken. Noch
prägnanter kommt dies in der NNT zum Ausdruck: Wenn sich 1429 Frauen regelmäßig
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