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allem bei letalen Krankheiten wie Krebs oder AIDS. Der Tod kann durch diese Form der Prä-
vention in aller Regel zwar nicht verhindert werden; durch eine adäquate medizinische Be-
treuung lässt sich jedoch die Lebensqualität verbessern und eventuell der Todeszeitpunkt
hinauszögern.
Im Allgemeinen wird die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen kaum infrage gestellt. Dies
betrifft insbesondere die Formen der primären Prävention. Diese haben im Laufe der vergange-
nen Jahrzehnte dazu geführt, dass viele Krankheiten nunmehr ausgerottet sind oder zumindest
rückläufige Fallzahlen aufweisen. Ebenso wenig wird über tertiäre Präventionsmaßnahmen dis-
kutiert. Niemand bestreitet, dass die bestmögliche Unterstützung manifest erkrankter Men-
schen ethisch geboten erscheint. Andererseits wird in den letzten Jahren über die Notwendig-
keit von einigen Präventionsmaßnahmen (insbesondere Impfungen und Screenings) teilweise
heftig diskutiert. Deshalb erscheint es sinnvoll, deren Nutzen anhand von geeigneten Maßzah-
len zu evaluieren.
14.2.2 Nutzen einer Impfmaßnahme***
Der Nutzen einer Schutzimpfung lässt sich durch folgende Zahlen quantifizieren:
Basisreproduktionszahl: Sie gibt an, wie viele Menschen eine erkrankte Person durch-
schnittlich ansteckt, wenn kein Mitglied der Population gegen die betreffende Krankheit
immun ist.
4
4
Nettoreproduktionszahl: Diese Zahl informiert, wie viele Menschen ein Infizierter durch-
schnittlich ansteckt, nachdem ein (bekannter) Teil der Population PI immun ist. Sie berech-
net sich aus der Basisreproduktionszahl R 0 als:
R
=− ⋅
(
1
PI
)
R
0
(14.8)
Wenn die Nettoreproduktionszahl R kleiner als 1 ist, wird sich die Krankheit nicht weiter ausbrei-
ten und mit der Zeit gänzlich ausgerottet werden. Mit
14
Formel (14.8) lässt sich berechnen, wie
groß der Anteil der Immunisierten sein muss, damit dieses Ziel erreicht wird:
7
(14.9)
PI
=−
0
(
R
1
) /
R
min
0
Der Anteil PI min stellt die kritische Immunisierungsschwelle oder die Schwelle zur Herdenimmu-
nität dar. Wird dieser Anteil überschritten, wird die betreffende Krankheit in der Population aus-
sterben. Der Erfolg einer Impfkampagne lässt sich also im Vorfeld abschätzen (falls die Basisre-
produktionszahl bekannt ist).
Beispiel 14.4: Reproduktionszahlen
Die Basisreproduktionszahl bei Keuchhusten beträgt etwa R 0 = 15. Wenn der Anteil
PI = 90% einer Population immun ist, beträgt der Anteil der Empfänglichen 10%. Die
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