Healthcare and Medicine Reference
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Ansonsten wird eventuell ein zusätzlicher Test herangezogen. Dieses Prozedere ist
zeitintensiver als das parallele Testen; andererseits beansprucht es weniger Labor-
kapazität. Es führt zu größerer Spezifität und geringerer Sensitivität.
Schließlich sollte sich ein Arzt bei seiner Entscheidungsfindung nicht ausschließ-
lich auf die Ergebnisse diagnostischer Tests verlassen, sondern auch seine individuelle
Erfahrung, sein persönliches Urteilsvermögen sowie seine fachspezifischen Kenntnis-
se und nicht zuletzt (entsprechend dem Vorschlag des berühmten Philosophen Imma-
nuel Kant) seinen eigenen Verstand mit einfließen lassen.
Präventionsstudien
14.2
14.2.1 Formen der Prävention***
Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man unter Prävention eine Maßnahme, die einer uner-
wünschten Entwicklung zuvorkommen soll. In diesem Sinne ist nahezu jede Tätigkeit eines Arz-
tes als Prävention aufzufassen. Im engeren Sinne fasst man unter diesem Begriff ärztliche oder
gesundheitspolitische Maßnahmen zusammen, die der Verhütung oder Früherkennung von
Krankheiten dienen. Man unterscheidet drei Ebenen der Prävention:
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Primäre Prävention: Mit diesen Maßnahmen soll das Auftreten einer Krankheit durch das
Ausschalten der Ursachen verhindert werden. Die Zielgruppe sind gesunde Individuen.
Diese können selbst durch eine gesunde Lebensweise oder körperliche Aktivität zur Stär-
kung des Immunsystems dazu beitragen, die Inzidenz bestimmter Krankheit zu senken. Ein
Arzt betreibt primäre Prävention, etwa wenn er Patienten vor dem Eintreten einer Krank-
heit über bestimmte Risiken informiert oder wenn er jemanden impft. Ein Beispiel stellt die
Impfung eines jungen Mädchens gegen HPV 16 oder HPV 18 dar mit dem Ziel, das Auftre-
ten von Gebärmutterhalskrebs zu verhindern. Auch kommunale Einrichtungen leisten pri-
märe Prävention, etwa wenn sie für sauberes Trinkwasser oder hygienisch einwandfreie Le-
bensmittel sorgen. Aufklärungskampagnen, die Menschen zum verantwortungsbewussten
Umgang mit Genussmitteln sensibilisieren sollen, fallen ebenfalls unter diese Kategorie.
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Sekundäre Prävention: Diese Form der Prävention hat zum Ziel, eine Entwicklungsstörung
oder eine Krankheit im Frühstadium zu erkennen, sodass rechtzeitig interveniert werden
kann, um die Progression oder den Tod zu verhindern. Dazu führt man Screening-Untersu-
chungen durch, meist in Arztpraxen oder anderen medizinischen Institutionen. Anders als
bei der primären Prävention wird jeder Teilnehmer gezielt auf das Vorhandensein einer
Krankheit oder einer Störung untersucht. Beispiele sind Krebsfrüherkennungsuntersuchun-
gen wie etwa die Mammografie oder der PAP-Abstrich, mit dem Vorstufen des Gebärmut-
terhalskrebses erkannt werden sollen. Auch Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern
sind eine Form der sekundären Prävention.
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Tertiäre Prävention: Dieser Begriff bezieht sich auf manifest gewordene Krankheiten. Er
umfasst Maßnahmen, mit denen deren Folgeerscheinungen begrenzt werden sollen. (Dazu
zählen Rehabilitation oder Unterstützung durch Selbsthilfegruppen.) Wichtig ist dies vor
 
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