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Interpretation des Testbefundes Es ist bekannt, dass ein Testbefund nicht immer
den korrekten Krankheitsstatus anzeigt. Die Vorhersagewerte informieren darüber,
inwieweit man sich auf einen Befund verlassen kann ( 7 Abschn. 14.1.2 ). Bei niedriger
Prävalenz kann der positive Vorhersagewert - trotz hoher Werte für Sensitivität und
Spezifität - extrem gering sein ( 7 Beispiel 14.1 ). Ohne die Kenntnis, ob der Patient
einer Risikogruppe angehört und wie hoch deren Prävalenz ist, ist ein Testbefund
kaum zu interpretieren.
Patientenspektrum Sensitivität und Spezifität sind theoretisch unabhängig von der
Prävalenz. Andererseits bleibt festzuhalten, dass die Beurteilung der Testbefunde teil-
weise subjektiven Einflüssen der behandelnden Ärzte unterliegt und dass die Patien-
ten, bei denen ein diagnostisches Verfahren in der Praxis oder im klinischen Alltag
eingesetzt wird, andere Charakteristika aufweisen als Personen, die an einer diagnos-
tischen Studie teilnehmen. Dies gilt sowohl für die erkrankten Patienten als auch für
nichterkrankte Probanden. Davon werden wiederum Sensitivität, Spezifität und damit
auch die Vorhersagewerte beeinflusst.
Informationsbias Wenn ein Arzt aufgrund einer klinischen Untersuchung den Ein-
druck gewinnt, dass der Patient erkrankt ist, wird er versuchen, diesen Verdacht an-
hand des Testbefundes zu bestätigen. Umgekehrt wird er, wenn er glaubt, die Krank-
heit liege nicht vor, den Testbefund eventuell weniger aufmerksam begutachten. Des-
halb sollten die Beurteiler bei einer diagnostischen Studie verblindet sein ( 7 Abschn.
14.1.1 ).
Wie diese Überlegungen zeigen, reicht ein einzelnes Testergebnis normalerweise
nicht aus, um sich auf eine Diagnose festzulegen. Um den Diagnoseprozess effizienter
zu gestalten, werden in der Praxis häufig mehrere Tests durchgeführt ( multiples Tes-
ten ). Dabei sind grundsätzlich zwei Vorgehensweisen denkbar:
4
14
Parallele Tests
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Sequenzielle (oder serielle) Tests
Parallele Tests Im klinischen Bereich oder bei Notfallpatienten werden oft mehrere
Tests gleichzeitig (genauer: innerhalb einer kurzen Zeitspanne) angewandt. Ein Pa-
tient gilt als testpositiv, sobald ein einziger Test einen positiven Befund ergibt. Dies
führt zu einer hohen Sensitivität. Die Wahrscheinlichkeit, eine Krankheit zu überse-
hen, ist bei diesem Prozedere gering. Allerdings ergeben sich dabei auch einige falsch
positive Befunde.
Sequenzielle (oder serielle) Tests Diese Strategie wird verwendet, wenn eine schnel-
le Diagnosestellung nicht erforderlich ist. Man beginnt mit einem einfachen, leicht
anwendbaren Test. Nur bei einem positiven Befund führt man einen aufwendigeren
 
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