Healthcare and Medicine Reference
In-Depth Information
Auf eine hohe Sensitivität legt man Wert, wenn
4
es sich um eine Krankheit mit schwerwiegenden (oder gar lebensbedrohlichen) Folgen für
den Patienten handelt,
4
eine erfolgversprechende Therapie verfügbar ist,
4
sich falsch positive Befunde mit vertretbarem Aufwand sowie ohne allzu große Belastun-
gen für die betreffende Person klären lassen und
4
falsch negative Befunde gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Eine hohe Spezifität ist anzustreben, wenn
4
keine Therapie mit Aussicht auf Besserung bekannt ist,
4
die Therapie zu unverhältnismäßig hohen finanziellen Belastungen für den Patienten oder
das Gesundheitswesen führt,
4
die Therapie mit schweren Nebenwirkungen behaftet ist,
4
die Nachfolgeuntersuchungen mit erheblichen Risiken oder psychischen Belastungen für
den Patienten verbunden sind und
4
falsch positive Befunde gravierende Konsequenzen haben.
Ein optimaler Schwellenwert beruht also nicht nur auf wahrscheinlichkeitstheoretischen, son-
dern auch auf medizinischen, ökonomischen und ethischen Überlegungen. Ein Arzt muss bei
der Interpretation eines Testbefundes in jedem Fall berücksichtigen, dass dieses unter Umstän-
den auch von einem mehr oder weniger willkürlich festgelegten Schwellenwert abhängt.
14.1.4 Reliabilität eines diagnostischen Tests***
Neben der Validität spielt die Reproduzierbarkeit (oder Reliabilität ) bei der Bewertung eines
diagnostischen Tests eine wichtige Rolle - also die Frage: Inwieweit ist der Test zuverlässig und
wiederholbar?
Viele Testbefunde sind durch subjektive Einschätzungen des jeweiligen Untersuchers geprägt
oder hängen von anderen Rahmenbedingungen ab. Beispiele hierfür stellen klinische Schwere-
grad-Scores wie etwa der PASI (Psoriasis Area and Severity Index) dar. Es ist keineswegs selbstver-
ständlich, dass wiederholte Beurteilungen desselben Zustands durch unterschiedliche Beobach-
ter jeweils zum selben Ergebnis führen. Es ist auch nicht garantiert, dass derselbe Beobachter, der
einen Patienten zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht, jedes Mal den gleichen Befund erhält.
Der κ-Koeffizient nach Cohen (κ: griech. Buchstabe kappa) findet Verwendung, um - wie in
7
14
Beispiel 14.3 - den Grad der Übereinstimmung zwischen zwei Beobachtern (die interindivi-
duelle Variabilität ) zu messen. Diese Zahl quantifiziert, inwieweit die Befunde vom Untersucher
abhängen und stellt damit ein Maß für die Objektivität einer Methode dar. Der κ-Koeffizient eignet
sich außerdem, um den Grad der Übereinstimmung der Beurteilungen desselben Beobachters zu
zwei verschiedenen Zeitpunkten (die intraindividuelle Variabilität ) zu messen. Er ist definiert als:
pp
p
oe
e
(14.7)
κ=
1
 
Search Pocayo ::




Custom Search