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Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.
(Immanuel Kant, Philosoph, 1724-1804)
Diagnosestudien
14.1
14.1.1 Validität eines diagnostischen Tests
Die Diagnosestellung gehört zu den wichtigsten Aufgaben eines praktisch tätigen
Arztes. Dazu bedient er sich neben seinen Fachkenntnissen und seiner persönlichen
Erfahrung eines oder mehrerer diagnostischer Testverfahren. Dies kann ein technisch
aufwendiger Labortest sein; es kann sich auch um eine klinische Untersuchung, ein
bildgebendes Verfahren oder Informationen aus der Anamnese handeln. Jedes diag-
nostische Verfahren wird eingesetzt, um größere Sicherheit bezüglich des Krankheits-
status eines Patienten zu gewinnen.
Das Ziel einer Diagnosestudie besteht darin, die Güte eines diagnostischen Ver-
fahrens zu evaluieren. Diese Studien sind nicht nur für die klinische Praxis, sondern
auch für die epidemiologische Forschung sehr wichtig. Letzten Endes basieren die
Ergebnisse aller Studien auf diagnostischen Verfahren, da diese die Voraussetzung für
das Erkennen oder Ausschließen einer Krankheit sind.
Zu den Gütekriterien eines diagnostischen Tests zählen die Validität und die Re-
liabilität:
4
Die Reliabilität ist ein Maß für die Reproduzierbarkeit der Testergebnisse unter
ähnlichen Bedingungen ( 7 Abschn. 14.1.4 ).
4
Die Validität ist die Fähigkeit, zwischen Kranken und Gesunden zu unterschei-
den. Sie wird bestimmt durch die Sensitivität und die Spezifität:
5 Sensitivität: Dies ist die bedingte Wahrscheinlichkeit P ( T + | K ), dass der Test
bei einer kranken Person richtig (also positiv) reagiert.
5 Spezifität: Darunter versteht man die bedingte Wahrscheinlichkeit
P ( T - | - ), dass eine nichterkrankte Person ein richtiges (also negatives) Tester-
gebnis erhält.
14
Im Idealfall - wenn alle Testergebnisse korrekt sind - nehmen beide Wahrscheinlich-
keiten den Wert 1 an. In der Praxis muss man leider damit rechnen, dass sich hin und
wieder ein falscher Befund ergibt. Wenn der Test die Krankheit eines Patienten über-
sieht, erhält man ein falsch negatives Ergebnis . Die Wahrscheinlichkeit dafür ergibt
sich aus der Sensitivität. Da nämlich T - und T + komplementäre Ereignisse sind, be-
rechnet man mit 7 Formel (6.3) ( 7 Abschn. 6.2.4) :
PT K
(|
)
=−
1
PT K
(|
)
(14.1)
+
 
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