Healthcare and Medicine Reference
In-Depth Information
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Die »Radongruppe« setzt sich aus Personen zusammen, die aufgrund ihrer Wohn- oder
Arbeitsplatzsituation dem Risikofaktor ausgesetzt sind.
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Die Kontrollgruppe besteht aus nichtexponierten Personen.
Ansonsten ist man auf Beobachtungsstudien angewiesen. Den höchsten Level nach den Richt-
linien der evidenzbasierten Medizin haben dabei Kohortenstudien. Diese sind - wenn sie sorg-
fältig geplant und durchgeführt werden - am wenigsten anfällig für Bias und lassen am ehesten
Schlussfolgerungen bezüglich Kausalitäten zu. Das bedeutet jedoch nicht, dass die anderen
Studienformen überflüssig oder generell minderwertig wären. Kohortenstudien sind in der Re-
gel sehr aufwendig. Sie werden deshalb erst dann durchgeführt, wenn - etwa aufgrund von
Fall-Kontroll-Studien - gesicherte Hinweise auf eine Assoziation zwischen einer Krankheit und
einem Risikofaktor vorliegen.
Im Jahre 1939 brachte der bereits erwähnte Alton Ochsner eine Lawine ins Rollen, als er einen
Fallbericht veröffentlichte, in dem er einen Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Rau-
chen vermutete. Zwei Jahre später publizierte er eine Fallserie zum selben Thema. Dies war der
Anlass für Doll und Hill, eine (1952 publizierte) Fall-Kontroll-Studie durchzuführen. Diese war
ihrerseits die Basis für eine extrem aufwendige, erst 1964 publizierte Kohortenstudie (
7 Beispiel
13.5).
Man kann zwar mit Beobachtungsstudien nicht zweifelsfrei eine Kausalität nachweisen. Den-
noch können statistische Analysen dabei nützlich sein. Sir Austin Bradford Hill stellte im Jahre
1963 einige Kriterien auf, mittels derer sich überprüfen lässt, ob ein Faktor tatsächlich kausal mit
der Krankheit zusammenhängt oder ob dieser lediglich ein Risikoindikator darstellt. Folgende
Argumente sprechen für eine Kausalität:
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Stärke der Assoziation: Je stärker ein statistischer Zusammenhang ist, desto mehr spricht
für eine kausale Beziehung.
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Plausibilität: Der Zusammenhang muss biologisch plausibel sein.
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Kohärenz: Die Interpretation des Zusammenhangs darf in keinem Widerspruch zum
aktuellen Stand der Forschung stehen.
Zeitliche Sequenz: Eine mögliche Ursache muss der Krankheit zeitlich vorausgehen.
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Spezifität des Effekts: Ein Faktor ist spezifisch, wenn er mit genau einer Krankheit
assoziiert ist. Dieses Kriterium ist nützlich bei Infektionskrankheiten; bei Erkrankungen mit
vielerlei Ursachen (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen) ist es dagegen wertlos.
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Dosis-Wirkungs-Beziehung: Wenn dieses Kriterium erfüllt ist, kann dies auf eine Kausalität
hinweisen.
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Konsistenz: Die Ergebnisse der Studie müssen (mit anderen Studiendesigns und in ande-
ren Populationen) wiederholbar sein.
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Reversibilität: Das Risiko einer Erkrankung sinkt, wenn die Exposition entfällt.
Experimentelle Evidenz: Dieses Kriterium bezieht sich auf die Überprüfbarkeit der
Hypothese. Dies betrifft die statistische Analyse und das Studiendesign.
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Wie sich leicht nachvollziehen lässt, sind (außer der Spezifität) alle genannten Kriterien beim
Zusammenhang »Rauchen und Lungenkrebs« erfüllt. Man sollte sich darüber klar sein, dass die-
se Kriterien nur eine Orientierungshilfe und keinen eindeutigen Beleg für oder gegen eine kau-
sale Beziehung darstellen. Die Frage, ob ein Faktor und eine Krankheit kausal zusammenhängen,
lässt sich in der Regel nur vorläufig und nicht endgültig beantworten.
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