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13.4.3 Inzidenzmaße***
Die in
Abschn. 13.4.2 erwähnte Wahrscheinlichkeit P ( K | R ) wird als kumulative Inzidenz be-
zeichnet (weil die neuen Fälle über die Zeit kumulieren). Deren Bestimmung erfordert eine
gewisse Stabilität der beobachteten Population. Normalerweise ist jedoch davon auszugehen,
dass die Population dynamischen Prozessen unterliegt. Nicht alle Individuen können über
denselben Zeitraum beobachtet werden. Außerdem muss bei jeder prospektiven Studie
einkalkuliert werden, dass einige Teilnehmer vorzeitig ausscheiden ( Studienabbrecher oder
Drop Outs ).
Dann mag die Inzidenzdichte eine Alternative darstellen: Der Zähler dieses Maßes enthält die
Anzahl aller während der Beobachtungszeit neu aufgetretenen Krankheitsfälle. Den Nenner bil-
det die sog. Personenzeit - das ist die Summe der Beobachtungszeiten aller Individuen. Jedes
Individuum wird so lange beobachtet, bis das interessierende Endereignis (Krankheit oder Tod)
festgestellt wird. Falls dieses Ereignis nicht eintritt, endet die Beobachtungszeit am Ende der
Studie bzw. zu dem Zeitpunkt, an dem die betreffende Person vorzeitig ausscheidet.
Die Inzidenzdichte ist - im Gegensatz zur kumulativen Inzidenz - keine Wahrscheinlichkeit. Sie
gibt an, wie viele Neuerkrankungen in einer bestimmten Zeiteinheit eintreten und ist insofern
vergleichbar mit einer Erkrankungsgeschwindigkeit oder mit der Hazard-Rate (
7
Abschn. 7.3.1).
Dabei spielt die Zeit eine besondere Rolle. Für derlei Fragestellungen stehen spezielle Auswerte-
mechanismen zur Verfügung (
7
7
Abschn. 15.2.3 und
7
Abschn. 15.2.4).
13.4.4 Bias
Studienabbrecher (Drop Outs) können zu einem Selektionsbias führen, wenn die
Gründe des Ausscheidens mit der Zielgröße assoziiert sind. Ferner kann es passieren,
dass Teilnehmer ihre Gewohnheiten im Laufe der Zeit ändern (etwa wenn aus einem
ehemals starken Raucher ein Nichtraucher wird). Dies sollte bei der Auswertung und
der Interpretation der Ergebnisse unbedingt berücksichtigt werden.
Eine besondere Art von Informationsbias tritt auf, wenn Studienteilnehmer, die
stark exponiert sind, häufiger oder gründlicher untersucht werden als andere Perso-
nen, bei denen das Eintreten einer Krankheit weniger erwartet wird. Dies kann zu
verzerrten Ergebnissen führen. Probleme können auch dadurch entstehen, dass sich
die Diagnosetechniken im Laufe der Zeit ändern oder dass die ursprüngliche Frage-
stellung an Relevanz verliert.
Ein letzter Hinweis: Nicht jede Kohortenstudie muss Jahrzehnte dauern, ehe Er-
gebnisse vorliegen. Wenn die Induktionsperiode überschaubar ist (z. B. Erkrankung
eines Neugeborenen infolge einer mütterlichen Infektion während der Schwanger-
schaft), kann die Studie nach wenigen Monaten beendet sein. Dennoch bleibt festzu-
halten, dass der zeitliche Aufwand wesentlich höher ist als bei einer Fall-Kontroll-
Studie.
 
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