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Kohortenstudien
13.4
13.4.1 Grundlagen
Eine Kohortenstudie ist eine prospektive, longitudinale Studie (auch Follow-up-Studie
genannt), bei der man eine große Gruppe (Kohorte) von Personen, die in unterschied-
licher Weise exponiert und nicht erkrankt sind, eine Zeitlang beobachtet.
Vorteile Sie ergeben sich unmittelbar aufgrund des Studiendesigns:
4
Man kann die Inzidenzen für exponierte und nichtexponierte Personen direkt
ermitteln und vergleichen. Deshalb werden diese Studien auch als Inzidenz-
studien bezeichnet.
4
Die Studie folgt derselben Logik wie die klinische Fragestellung: Man geht von
den Einflussgrößen aus, wartet ab und analysiert schließlich, bei welchen Perso-
nen und zu welchem Zeitpunkt die Krankheit eintritt ( 7 Beispiel 13.4 ).
4
Die Studienteilnehmer werden kontinuierlich beobachtet. Die Gefahr eines
Recall-Bias aufgrund mangelnden Erinnerungsvermögens der Teilnehmer
(wie bei Fall-Kontroll-Studien) besteht daher nicht.
Nachteile Im Vergleich zu Fall-Kontroll-Studien gibt es andererseits deutliche
Nachteile:
4
Es dauert unter Umständen sehr lange, bis hinreichend viele Krankheitsfälle
aufgetreten sind. Dies gilt insbesondere bei Ursachen mit langer Induktions-
periode.
4
Die Studie erfordert - speziell bei Krankheiten mit geringer Inzidenz - extrem
viele Teilnehmer.
13
4
Sie kann daher sehr aufwendig und teuer sein, da oft Tausende von Personen
etliche Jahre lang in regelmäßigen Abständen untersucht werden müssen.
Beispiel 13.4: Kohortenstudie
Ein bekanntes Beispiel ist die Framingham-Studie zu kardiovaskulären Krankheiten.
Sie wurde im Jahr 1948 in der Stadt Framingham (USA) begonnen und umfasste etwa
5100 Einwohner, die zu Beginn der Studie zwischen 30 und 60 Jahre alt waren und keine
kardiovaskulären Krankheiten hatten. Die Studie dauerte mehr als 30 Jahre; die Studien-
teilnehmer wurden regelmäßig alle 2 Jahre bis zum Auftreten einer kardiovaskulären
Erkrankung, zum Tod des Teilnehmers bzw. zum Studienende untersucht. Es wurden
mehrere potenzielle Einflussfaktoren analysiert: Rauchen, Adipositas, Bluthochdruck,
erhöhte Cholesterinwerte, Alter etc. Dabei gelang der Nachweis, dass das Risiko, eine
koronare Herzkrankheit zu entwickeln, mit zunehmendem Alter, erhöhtem Blutdruck,
erhöhtem Cholesterinspiegel, Zigaretten- und Alkoholabusus sowie Übergewicht
assoziiert ist.
 
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