Healthcare and Medicine Reference
In-Depth Information
!
Cave
Das relative Risiko lässt sich bei Fall-Kontroll-Studien nicht direkt ermit-
teln, da die Ausgangsgruppen nach dem Krankheitsstatus und nicht nach
der Exposition gebildet werden. Deshalb lassen sich absolute Risiken für
Exponierte und Nichtexponierte nicht bestimmen.
Beim paarweisem Matchen verwendet man anstelle des Vierfeldertests den McNemar-
Te s t ( 7 Abschn. 11.1.5 ). Die Odds Ratio wird in diesem Fall als der Quotient b/c be-
stimmt (wobei b die Anzahl der Paare ist, bei denen nur der Fall exponiert ist, und c
die Anzahl der Paare, bei denen nur die Kontrolle exponiert ist).
Die Odds Ratio ist 1, falls kein Zusammenhang zwischen Erkrankung und Expo-
sition besteht. Sie ist größer als 1, wenn mehr Fälle als Kontrollen exponiert sind. Um
beurteilen zu können, ob der Zusammenhang signifikant und epidemiologisch rele-
vant ist, sollte man zusätzlich ein Konfidenzintervall angeben und den p -Wert ermit-
teln.
Wenn mehr als ein potenzieller Risikofaktor zu analysieren ist, bietet sich die lo-
gistische Regression ( 7 Abschn. 11.2.4 ) an. Diese multiple Methode ist insbesondere
bei Fall-Kontroll-Studien sehr mächtig:
4
Mehrere Einflussgrößen (qualitative und quantitative) lassen sich simultan
analysieren.
4
Die Wirkung einer Einflussgröße lässt sich adjustieren. (So können mögliche
Confounder erkannt werden.)
4
Für jede Einflussgröße lässt sich die zugehörige Odds Ratio mit Konfidenz-
intervall berechnen.
13.3.6 Anwendungen und Grenzen
Fall-Kontroll-Studien sind unverzichtbar für die Erforschung von Risikofaktoren.
Ein immenser Vorteil liegt darin, dass man nicht Jahre oder Jahrzehnte warten muss,
bis man genügend »Fälle« rekrutiert hat, sondern auf bereits erkrankte Personen zu-
rückgreifen kann. Ergebnisse liegen deshalb relativ schnell vor. Dies ist besonders
wichtig bei Risikofaktoren mit langer Induktionsperiode und Krankheiten mit gerin-
ger Inzidenz.
Die Nachteile liegen wie bei allen retrospektiven Studien in der mitunter mangel-
haften Datenqualität. Außerdem sind Fall-Kontroll-Studien anfällig für Bias verschie-
dener Art. Die Odds Ratio ist eine Annäherung für das relative Risiko, falls die Inzi-
denz der Erkrankung gering ist (bis zu 1%). Diese Bedingung ist bei vielen Krankhei-
ten, die mit Fall-Kontroll-Studien untersucht werden, erfüllt. Bei Kohortenstudien, die
von Exponierten und Nichtexponierten ausgehen, lassen sich aussagekräftigere Effekt-
maße berechnen ( 7 Abschn. 13.4.2 ).
Search Pocayo ::




Custom Search