Healthcare and Medicine Reference
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ihm bekannten Tatsache, dass andere Leute weit weniger rauchen als die von ihm be-
schriebenen Patienten, seine Hypothese aufstellen. Allerdings reichen zu deren Bestä-
tigung Fallserien nicht aus.
13.2.3 Prävalenzstudien
Eine Prävalenzstudie ist eine Querschnittstudie, in der bei jedem Teilnehmer erfasst
wird, ob er an einer bestimmten Erkrankung leidet und ob er exponiert ist. Ein Beispiel
bestünde darin, die Mitglieder einer Population danach zu untersuchen, ob sie eine
koronare Herzkrankheit haben und ob gleichzeitig ihr Blutdruck erhöht ist. Der Anteil
der Erkrankten entspricht der Prävalenz . Man kann mit einer geeigneten Analyse-
methode (z. B. einem Chi 2 -Test) untersuchen, ob ein statistischer Zusammenhang
zwischen Exposition und Krankheit besteht und diesen mittels eines Assoziations-
maßes wie der Odds Ratio quantifizieren ( 7 Abschn. 3.3.3 ). Wird eine Assoziation
nachgewiesen, sollte man dieses Ergebnis jedoch vorsichtig interpretieren:
4
Die Prävalenz ist kein Maß für das Risiko, die Krankheit zu entwickeln.
4
Es werden nur Personen erfasst, die die Krankheit überlebt haben. Todesfälle
bleiben unberücksichtigt. Fälle, bei denen ein schneller Heilerfolg eintritt, sind
meist unterrepräsentiert. Die Prävalenz einer Krankheit wird deshalb oft unter-
schätzt.
4
Mit dieser Studienform lässt sich nicht nachweisen, dass die Exposition der
Krankheit vorausging.
Prävalenzstudien sind überwiegend deskriptiv. Sie reichen keineswegs aus, um zeitli-
che oder kausale Zusammenhänge abzusichern, sondern können allenfalls Hinweise
liefern. In erster Linie eignen sie sich zur Erfassung chronischer Krankheiten.
13
13.2.4 Populationsstudien***
Populationsstudien unterscheiden sich von anderen Risikostudien dadurch, dass nicht Indivi-
duen, sondern Gruppen oder Länder die Beobachtungseinheiten darstellen. Andere Bezeich-
nungen sind aggregative , ökologische oder Korrelationsstudien . Ein Beispiel stellt eine Studie
dar, in der nachgewiesen wurde, dass eine gegensinnige Korrelation zwischen dem Weinkon-
sum eines Landes und der kardialen Mortalität besteht. In Italien und in Frankreich, wo tradi-
tionsgemäß viel Wein getrunken wird, ist diese Mortalität wesentlich niedriger als etwa in
Australien und den USA, wo der Weinkonsum deutlich geringer ist.
Populationsstudien können Hinweise auf mögliche Zusammenhänge geben. Rückschlüsse auf
Individuen sind jedoch äußerst problematisch, da Confounding nicht ausgeschlossen werden
kann.
 
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