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Zu Risiken und Nebenwirkungen
fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
(Nachsatz bei Arzneimittelwerbung in den Medien)
Einleitung
13.1
13.1.1 Bedeutung von Risikostudien
Viele Menschen haben ein großes Interesse daran zu erfahren, welchen potenziellen
Risikofaktoren sie ausgesetzt sind und wie hoch gegebenenfalls ihr persönliches Risi-
ko ist, eine bestimmte Krankheit zu entwickeln. Für den Arzt kann die Kenntnis mög-
licher Risikofaktoren eines Patienten in mehrfacher Weise von Nutzen sein:
4 Vorhersage: Falls ein gesicherter Zusammenhang zwischen einer Krankheit und
einem ätiologischen Faktor besteht, lässt sich im Einzelfall die Wahrscheinlich-
keit für das Eintreten einer Krankheit abschätzen.
4 Prävention: Sollte es sich um ein vermeidbares Risiko handeln (z. B. Nikotin-
abusus), kann der Arzt dem Patienten raten, seine Lebensweise zu ändern.
Andernfalls (z. B. bei einem genetisch bedingten Faktor) kann er Vorsorge-
maßnahmen treffen, um die Auswirkungen zu kontrollieren oder abzu-
schwächen.
4 Diagnose: Die Kenntnis, welcher Risikogruppe ein Patient angehört, kann in
einem diagnostischen Prozess sehr wichtig sein ( 7 Beispiel 14.1 ).
Das Wissen um Faktoren, die mit einer Krankheit assoziiert sind, ist nicht zuletzt von
gesundheitspolitischem Interesse. Falls eine größere Population einem Risikofaktor
ausgesetzt ist, kann dessen Beseitigung maßgeblich dazu beitragen, das Auftreten
neuer Krankheitsfälle zu verhindern.
Ignaz Philipp Semmelweis gelang es beispielsweise Mitte des 19. Jahrhunderts,
durch hygienische Maßnahmen die durch Kindbettfieber verursachte Mortalität dras-
tisch zu senken. (Das Personal musste sich mit Chlorkalk die Hände desinfizieren.)
John Snow sorgte um das Jahr 1850 durch die Schließung eines Brunnens dafür, dass
die Bewohner eines Londoner Bezirks nicht mehr an Cholera erkrankten.
Der Zusammenhang zwischen einer Erkrankung und einem Risikofaktor ist je-
doch meist nicht so klar und eindeutig. Die meisten Krankheiten haben multiple Ur-
sachen, und ein einzelner Faktor (z. B. Rauchen) begünstigt nicht nur das Auftreten
einer, sondern diverser Krankheiten. Andere Gründe liegen in der mitunter langen
Zeitdauer zwischen Exposition und Ausbruch der Krankheit (z. B. bei Krebs) oder in
deren geringer Inzidenz. Ein praktisch tätiger Arzt kann sich deshalb nicht auf eigene
Beobachtungen stützen, sondern ist auf Studien angewiesen, in denen der Einfluss
eines Risikofaktors untersucht und beschrieben wird.
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