Healthcare and Medicine Reference
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man auf diese Weise erhält, sind nachvollziehbar und bilden die Grundlage für weitere Forschun-
gen. Die rasante Entwicklung der Physik und der Chemie hat sich in vielfacher Hinsicht segens-
reich auf die Medizin ausgewirkt. Diese Fortschritte führten zu einem umfangreichen Wissen
bezüglich der Vorgänge im menschlichen Körper und damit zu einem besseren Verständnis der
Körperfunktionen beim gesunden und beim kranken Menschen. Darauf basierend wurden tech-
nische Apparate entwickelt, die eine exakte Messung von physiologischen Parametern erlaub-
ten und im Laufe der Zeit ungeahnte Möglichkeiten in Diagnostik und Therapie eröffneten.
Aufklärung
Wie man allmählich erkannte, lassen sich alle medizinischen Phänomene theoretisch auf natur-
wissenschaftliche Gesetze zurückführen. Im 17. Jahrhundert dachten deshalb einige Ärzte
euphorisch, man wäre bald in der Lage, die Ursachen aller Krankheiten zu ergründen und wirk-
same Therapien zu entwickeln. Es setzte sich dann jedoch - beginnend im 18. Jahrhundert zur
Zeit der Aufklärung in England - die Erkenntnis durch, dass physikalisches und chemisches
Grundwissen dafür bei weitem nicht ausreicht.
So besann man sich auf eine Methode zur Erkenntnisgewinnung, die bereits ein Jahrhundert
zuvor der englische Philosoph Francis Bacon (1561-1626) propagiert hatte. Sie beinhaltete die
Beobachtung zahlreicher Einzelfälle, die lückenlose Aufzeichnung der erhobenen Daten und
deren rechnerische Auswertung. Dieses Vorgehen vermittelte objektive Erkenntnisse, die jedoch
vom Zufall beeinflusst waren. Es bedeutete einen Wandel von einem ehemals theoretisch-dog-
matischen hin zu einem empirischen Ansatz . So begann allmählich die Statistik Einzug in die
Medizin zu halten. Statistische Methoden ermöglichen es, Erfahrungen abzusichern - auch
dann, wenn sich die Wirkmechanismen (noch) nicht auf molekularer oder zellulärer Ebene erklä-
ren lassen.
Forschung im 20. Jahrhundert
Es dauerte allerdings noch bis weit ins 20. Jahrhundert, ehe statistische Methoden in den Biowis-
senschaften akzeptiert waren. Dies lag nicht zuletzt daran, dass allgemein anerkannte Richtli-
nien bezüglich der medizinischen Forschung am Menschen fehlten. Diese wurden erst im Jahre
1964 auf der 18. Generalversammlung des Weltärztebundes als »Deklaration von Helsinki« erar-
beitet und seither mehrfach revidiert. (Die letzte Version wurde 2008 in Seoul verabschiedet.)
Heute herrscht weitgehend Konsens darüber, dass außer der Anwendung naturwissenschaftli-
chen Wissens die Beobachtung zahlreicher Individuen und die damit verbundene Datenanalyse
für die medizinische Forschung unverzichtbar sind.
Die einst konkurrierenden empirischen und theoretischen Ansätze sind somit vereint, wobei je-
doch im Gegensatz zu früher die theoretischen Grundannahmen wissenschaftlich fundiert sind
und die empirische Erkenntnisgewinnung auf einer systematischen Vorgehensweise basiert.
 
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