Healthcare and Medicine Reference
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Dem stehen jedoch mitunter gravierende Nachteile gegenüber, die in erster Linie
die Datenqualität betreffen:
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Im Nachhinein besteht keine Möglichkeit, auf die Auswahl der Beobachtungs-
einheiten und der zu erfassenden Merkmale sowie auf die Mess- und Dokumen-
tationstechniken Einfluss zu nehmen.
4
Unvollständige oder falsche Angaben in Krankenblättern (z. B. Arzneimittel-
anamnese, klinische Befunde) lassen sich in der Regel nicht ergänzen oder
korrigieren. (Oft bleiben sie gänzlich unbemerkt.)
4
Befragt man Personen nach zurückliegenden Ereignissen, ist man auf deren
Erinnerungsvermögen angewiesen und kann keinesfalls sicher sein, korrekte
und vollständige Informationen zu erhalten.
Derlei Fehler können zu einem Bias führen, der die Ergebnisse der Studie verzerrt und
zu unzulässigen Schlussfolgerungen führt ( 7 Abschn. 12.5.2 ).
Retrospektive Studien können wertvolle Hinweise auf mögliche Zusammen-
hänge liefern. Gegebenenfalls sind sie der Anlass zu einer nachfolgenden prospek-
tiven Studie. Sie lassen sich - sofern man sich auf vollständig und richtig erfasste
Daten stützen kann - auch bei der Qualitätskontrolle einsetzen (z. B. um den Erfolg
einer therapeutischen Maßnahme oder die Häufigkeiten von Komplikationen zu
ermitteln).
Prospektive Studien Prospektiv bedeutet »vorausschauend«. Bei diesen Studien er-
mittelt man zunächst die Einflussgrößen und wartet ab, ob und ggf. wann das interes-
sierende Endereignis eintritt. Die Untersuchungsrichtung ist somit logischer als bei
retrospektiven Studien. Prospektive Studien sind üblicherweise so angelegt, dass sich
die Daten überwiegend nach Studienbeginn ergeben. Der Versuchsleiter hat dabei
Kontrollmöglichkeiten bezüglich der Stichprobe, der zu erfassenden Merkmale, der
Messmethoden und der Dokumentation. Dem Vorteil der hohen Datenqualität steht
als Nachteil ein erhöhter Zeitbedarf gegenüber.
Ko h ortenstudien sind die bekanntesten prospektiven Studien. Viele Risiko- und
Prognosestudien sind als Kohortenstudien angelegt ( 7 Abschn. 13.4 und 7 Abschn.
15.2 ). Auch Experimente und randomisierte Studien sind prospektiv.
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Retrolektiv bzw. prolektiv Die Begriffe »prospektiv« und »retrospektiv« werden viel-
fach auch dazu verwendet, die Art der Datenerhebung zu beschreiben. In diesem
Sinne bezeichnet eine prospektive Studie ein Design, bei dem die Daten erst nach
Studienbeginn erhoben werden, während bei einer retrospektiven Studie die Daten zu
Studienbeginn bereits erfasst sind. Streng genommen bezeichnet man diese letztge-
nannten Eigenschaften als prolektiv bzw. retrolektiv . (Allerdings sind diese Ausdrü-
cke wenig gebräuchlich.) Die unterschiedlichen Bedeutungen sind manchmal etwas
 
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