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Volkszählungen aus Ägypten und Griechenland bekannt. Dabei ging es hauptsächlich um die
Beschreibung geografischer, politischer und wirtschaftlicher Besonderheiten, wie sie heute
noch im Statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht werden.
Aus den Methoden der Staatsbeschreibung entwickelte sich die beschreibende oder deskrip-
tive Statistik , deren Aufgabe darin besteht, Zustände übersichtlich darzustellen. Bis heute wer-
den diese Methoden in vielen Bereichen der Wirtschaft, der Verwaltung, des Versicherungswe-
sens und bei der Volkszählung angewandt, wo statistische Erhebungen als Grundlage für Pla-
nungen dienen. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde Statistik fast ausschließlich für staatliche
Zwecke benutzt. Dies erklärt dieselbe etymologische Wurzel der Wörter »Statistik« und »Staat«
(lat. status = Zustand, Beschaffenheit). Den Begriff »Statistik« führte der Göttinger Staatswissen-
schaftler Gottfried Achenwall (1719-1772) ein.
16. bis 19. Jahrhundert
Ein anderes Anwendungsgebiet ergab sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts in England, als man
begann, Bevölkerungsentwicklungen quantitativ zu beschreiben. Diese Art von Statistik be-
zeichnete man als »politische Arithmetik«. Auf Veranlassung des Lordkanzlers Thomas Cromwell
(1485-1540) wurden alle Geburts- und Todesfälle systematisch in Kirchenbüchern aufgezeich-
net. Dies veranlasste John Graunt (1620-1674), basierend auf Londoner Geburts- und Sterbe-
registern Gesetzmäßigkeiten bezüglich der Bevölkerungsentwicklung herzuleiten. Graunt gilt
als der Begründer der Demografie ; sein Werk bildete später die Grundlage für die Berechnung
von Lebensversicherungen. Kurze Zeit danach widerlegte der englische Arzt und Schriftsteller
John Arbuthnot (1667-1735) die These, dass Mädchen- und Knabengeburten gleich häufig seien
(ebenfalls mit Hilfe von Kirchenbüchern). Das bahnbrechende Werk der deutschen Bevölke-
rungsstatistik mit dem Titel »Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen
Geschlechts« erstellte der preußische Feldprediger Johann Peter Süßmilch (1707-1767).
Daneben gab es eine Anwendergruppe mit gänzlich anderen Interessen: Ihr ging es darum, die
Gewinnchancen bei Glücksspielen zu berechnen. Dies regte Mathematiker wie Galileo Galilei
(1564-1642), Blaise Pascal (1623-1662), Christiaan Huygens (1629-1695) und Pierre Simon Mar-
quis de Laplace (1749-1827) zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten und zu theoretischen
Abhandlungen an. Sie haben damit die Wahrscheinlichkeitsrechnung wesentlich bereichert. In
diesem Zusammenhang ist auch der deutsche Mathematiker Carl Friedrich Gauß (1777-1855) zu
nennen, der unter anderem die Normalverteilung und deren Bedeutung für die angewandte
Statistik beschrieben hat. Die Fundamente moderner Wahrscheinlichkeitsrechnung legte der
russische Mathematiker Andrej Kolmogoroff (1903-1987).
Moderne Statistik
Die Wahrscheinlichkeitsrechnung ist die Grundlage der induktiven Statistik . Sie ermöglicht es,
aufgrund einer relativ kleinen Stichprobe Aussagen bezüglich einer weitaus größeren Grundge-
samtheit herzuleiten. Diese Methoden wurden erst im 20. Jahrhundert entwickelt. Besonders
hervorzuheben sind dabei die Wissenschaftler William Sealy Gosset (1876-1937), der die t -Vertei-
lung herleitete, Karl Pearson (1857-1936), der die Korrelations- und Regressionsanalysen voran-
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