Healthcare and Medicine Reference
In-Depth Information
In Einzelfällen kann der Zufall zu extremen Werten oder unerwarteten Ereignis-
sen führen. Deshalb erlebt jeder Mediziner hin und wieder Überraschungen - erfreu-
licher oder unerfreulicher Art. Dies gilt für den behandelnden Arzt, der den Verlauf
einer Krankheit nicht vorhersehen kann und niemals mit Sicherheit weiß, ob eine
therapeutische Maßnahme den gewünschten Erfolg erzielen wird, ebenso wie für den
Wissenschaftler, dessen Forschungsergebnisse stets eine gewisse Irrtumswahrschein-
lichkeit beinhalten.
Die Statistik als Wissenschaft des Zufalls stellt nun Methoden zur Verfügung, die
es ermöglichen, trotz der Unberechenbarkeit der Einzelfälle Strukturen aufzudecken
und allgemein gültige Aussagen herzuleiten. Diese bilden die Basis für jede neue wis-
senschaftliche Erkenntnis und jedes daraus abgeleitete ärztliche Handeln. Dieser An-
satz garantiert zwar nicht, dass die Entscheidung in jedem Fall zum gewünschten Er-
gebnis führt. Sie ist aber nachvollziehbar, und das Risiko einer Fehlentscheidung ist
minimiert. Der Zufall wird bei dieser Vorgehensweise nicht eliminiert, aber quantifi-
ziert und damit kontrollierbar gemacht.
Neues Wissen in der Medizin kann nur unter Anwendung statistischer Methoden
gewonnen werden. Auch wenn die persönlichen Erfahrungen des behandelnden Arz-
tes und die individuellen Bedürfnisse des Patienten nach wie vor wichtige Säulen des
Entscheidungsprozesses darstellen, darf der aktuelle Stand der Forschung nicht ver-
nachlässigt werden. Dazu sind die Kenntnis statistischer Methoden und die Fähigkeit,
deren Resultate sinnvoll zu interpretieren, unabdingbar. Insofern ist Statistik für die
Medizin unentbehrlich, sowohl um Forschung zu betreiben als auch, um deren Ergeb-
nisse praktisch anzuwenden.
Geschichte der medizinischen Statistik
1.2
Die Medizin ist eine jahrtausendealte Wissenschaft. Dennoch ist es erst in den vergan-
genen Jahrzehnten üblich geworden, neue Erkenntnisse in der Forschung mit statisti-
schen Methoden abzusichern. Um diesen erstaunlich langen Prozess nachvollziehen
zu können, ist es notwendig, sich mit der historischen Entwicklung der Statistik zu
befassen und außerdem einige Aspekte der Medizingeschichte zu beleuchten.
Historische Entwicklung der Statistik***
1.2.1
Anfänge
Das primäre Anwendungsgebiet der Statistik liegt in der Staatsbeschreibung. Bereits im 4. Buch
Mose mit dem Namen »Numeri« wird eine Volkszählung erwähnt; ferner sind aus dem Altertum
6
 
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