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Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen,
dass die Dinge sind, wie sie sind.
(Aristoteles, Philosoph, 384-322 v. Chr.)
1
Bedeutung der Statistik für die Medizin
1.1
Jeder medizinische Wissenschaftler und jeder praktisch tätige Arzt weiß aus Erfah-
rung, dass alle Erkenntnisse und Entscheidungen in der Medizin mit einer gewissen
Unsicherheit verbunden sind. In diesem Punkt unterscheiden sich die Biowissenschaf-
ten grundlegend von den exakten Naturwissenschaften: Während die Zusammenhän-
ge in der Mathematik oder der klassischen Physik determiniert und damit berechen-
bar sind (etwa aufgrund einer mathematischen Formel oder eines physikalischen
Gesetzes), unterliegen die Zustände und Vorgänge bei biologischen Systemen nicht
nur naturwissenschaftlichen Gesetzen, sondern auch dem Zufall . Aus diesem Grund
lassen sich medizinisch-biologische Abläufe allenfalls abschätzen, aber niemals exakt
berechnen oder vorhersagen.
Im Allgemeinen sind zwar zahlreiche Faktoren bekannt, die ein bestimmtes Merk-
mal beeinflussen. So ist etwa das Körpergewicht eines Menschen abhängig von dessen
Alter und Geschlecht; außerdem sind genetische Einflüsse, die Körpergröße, patholo-
gische und psychische Besonderheiten sowie eine Reihe weiterer Einflussgrößen maß-
gebend. Es wird jedoch niemals möglich sein, alle das Körpergewicht bestimmenden
Faktoren zu benennen und deren Einfluss im Einzelnen zu quantifizieren. Dazu sind
die Vorgänge im menschlichen Organismus viel zu komplex und von unserem Ver-
stand nicht mehr nachvollziehbar. Man geht deshalb davon aus, dass jeder physiologi-
sche Parameter letztlich auch dem Zufall unterliegt.
Ebenso kennt man bei fast allen Krankheiten diverse Faktoren, die deren Entste-
hen verursachen oder deren Auftreten begünstigen. Man weiß beispielsweise, dass bei
Menschen, die in permanenter Anspannung leben, stark rauchen sowie unter erhöh-
tem Blutdruck und starkem Übergewicht leiden, die Gefahr eines Herzinfarkts beson-
ders hoch ist, und jeder verantwortungsbewusste Arzt wird einen Risikopatienten
darauf hinweisen.
Dessen ungeachtet gibt es Personen, die mit all diesen Risikofaktoren steinalt
werden, ohne jemals einen Herzinfarkt zu erleiden - wie z. B. Winston Churchill ,
der an seinem 90. Geburtstag auf die Frage, wie er so alt geworden sei, geantwortet
haben soll: »Smoking, drinking and first of all no sports« Andererseits bietet eine
vermeintlich gesunde Lebensweise, die alle bekannten Risikofaktoren ausschließt,
keinen zuverlässigen Schutz vor dieser Krankheit. Schließlich ist auch hier der Zufall
mitentscheidend. Aus diesem Grund kann bei keinem Menschen präzise vorherge-
sagt werden, ob eine bestimmte Krankheit im Laufe seines Lebens eintreten wird
oder nicht.
 
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