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Manipulation des Testergebnisses
9.2.5
Ein signifikantes Ergebnis lässt sich in der Regel leichter publizieren als ein nichtsig-
nifikantes. Um dies zu erreichen, ist einigen Leuten jedes Mittel recht. Einige dieser
»Tricks« werden hier aufgezählt (wobei ausdrücklich betont wird, dass sie nicht zur
Nachahmung empfohlen werden).
Auswahl des Tests Bei vielen Fragestellungen kommen theoretisch mehrere Testme-
thoden mit unterschiedlichen Voraussetzungen infrage. Die oben behandelte Frage,
ob das mittlere Geburtsgewicht der 20 Babys mit dem Sollwert 3500 g zu vereinbaren
ist, lässt sich auch mit dem Wilcoxon-Test oder dem Vorzeichentest überprüfen ( 7 Ab-
schn. 10.2.1 und 7 Abschn. 10.3.1 ). Man könnte nun alle infrage kommenden Tests
durchprobieren und dann denjenigen auswählen, dessen p -Wert am besten gefällt.
(Irgendeine Begründung bezüglich der Voraussetzungen lässt sich sicherlich finden.)
Die Auswahl eines geeigneten Tests muss differenziert erfolgen. Wendet man ei-
nen Test an, dessen Voraussetzungen nicht erfüllt sind, nimmt man eine Erhöhung des
α-Fehlers in Kauf. Das bedeutet: Der Test lässt mehr Ergebnisse signifikant werden als
dem α-Niveau entspricht. Ein solches Testverhalten heißt progressiv . Ein signifikantes
Ergebnis ist zwar meist erwünscht - es könnte aber peinlich werden, wenn sich he-
rausstellt, dass man den vermeintlichen Effekt mit einer wissenschaftlich unsauberen
Methode quasi gewaltsam herbeigeführt hat.
Andererseits sollte man einen Test mit hoher Power bevorzugen, wenn dessen Vo-
raussetzungen erfüllt sind. Ansonsten besteht die Gefahr, dass ein tatsächlich vorhande-
ner Unterschied nicht erkannt wird. Dies ist höchst ärgerlich für einen Forscher, der ja
in der Regel etwas Neues etablieren und deshalb die Alternativhypothese absichern will.
Einen Test, der zur Beibehaltung der Nullhypothese tendiert, nennt man konservativ .
Einseitiges oder zweiseitiges Testen Es mag verlockend sein, einseitig zu testen,
nachdem man mit dem zweiseitigen Testen einen p -Wert zwischen 0,05 und 0,10 er-
halten hat. Dadurch halbiert sich der p -Wert, und aus einem nichtsignifikanten Ergeb-
nis wird ein signifikantes! Gegen eine einseitige Fragestellung ist nichts einzuwenden,
wenn sie sachlich begründet ist und die Richtung eines möglichen Unterschieds vor
der Datenerhebung festgelegt wird. Es ist aber unehrlich, einseitig zu testen und die
Richtung des Unterschieds erst festzulegen, nachdem die Daten vorliegen. Man testet
einseitig, wenn man die Richtung eines eventuell vorhandenen Unterschieds vorab
kennt oder wenn sich Konsequenzen nur bei einer bestimmten Abweichungsrichtung
ergeben. Der Anwender sollte sich allerdings fragen, ob wirklich nur eine einzige
Abweichungsrichtung interessant ist, oder ob er sich einen Unterschied in einer be-
stimmten Richtung erhofft und deshalb einseitig testet. Außerdem ist zu berücksich-
tigen, dass einseitige Tests empfindlicher auf eine Verletzung ihrer Voraussetzungen
reagieren als zweiseitige.
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