Healthcare and Medicine Reference
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» Klug fragen zu können ist die halbe Weisheit.
(Francis Bacon, Philosoph)
Durchführung eines Tests
9.1
Funktion eines statistischen Tests
9.1.1
Der Fortschritt in einer empirischen Wissenschaft wie der Medizin beruht im Wesent-
lichen auf Beobachtungen, die ein Arzt bei der Patientenbehandlung oder im Labor
macht. Möglicherweise entwickelt er dabei eine Therapie, von der er glaubt, dass sie
der herkömmlichen Standardtherapie in irgendeiner Weise überlegen sei, oder er ge-
winnt neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Aus einer Vielzahl von Beobachtungen
gepaart mit fachlich-theoretischen Überlegungen entsteht so eine Vermutung und -
wenn diese präzise formuliert wird - eine Hypothese.
In der Regel ist es nicht möglich, derlei Hypothesen zu beweisen. Ein Forscher
wird zwar meist von der Richtigkeit seiner Vermutung überzeugt sein - dies allein
kann jedoch kein objektives Kriterium darstellen. Die Überprüfung einer Hypothese
hat in zweifacher Hinsicht zu erfolgen:
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Zunächst sollte man einen theoretischen Hintergrund erarbeiten, um die Hypo-
these mit sachlichen Argumenten zu untermauern. Dazu bedarf es überwiegend
medizinischer Fachkenntnisse und Erfahrungen. Mit Statistik hat dies vorerst
nichts zu tun.
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Darüber hinaus ist es erforderlich, die Hypothese statistisch abzusichern. Zu
diesem Zweck müssen relevante Daten erhoben und mit einer geeigneten Test-
methode analysiert werden.
In diesem Abschnitt wird das Prinzip eines statistischen Tests anhand eines einfachen
Beispiels erläutert, bei dem der t -Test für eine Stichprobe herangezogen wird. Wir
stellen uns dazu folgende Situation vor: Aus der Fachliteratur ist bekannt, dass das
mittlere Geburtsgewicht gesunder Kinder nach einer unauffällig verlaufenden
Schwangerschaft 3500 g beträgt. Ein Mediziner hat die Vermutung, dass Babys, deren
Mütter während der Schwangerschaft einem bestimmten Risiko ausgesetzt waren, im
Durchschnitt weniger wiegen. Er beschließt, das Geburtsgewicht von 20 solchen Risi-
kobabys in seiner Klinik zu messen und den daraus resultierenden Mittelwert mit
3500 g zu vergleichen. Generell sind nun zwei Möglichkeiten bezüglich der (unbe-
kannten) Ausgangssituation denkbar:
4 Es besteht kein Unterschied zwischen dem mittleren Geburtsgewicht der
Risikobabys und dem aus der Literatur bekannten Wert von 3500 g. In diesem
Fall würde man bei den 20 Babys ein Durchschnittsgewicht von 3500 g
 
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